MPFL-Rekonstruktion

Das innere stabilisierende Band (MPFL) zwischen Oberschenkelknochen und Kniescheibe reißt bei Luxationen oft ab. Im Zuge einer Operation wird es mittels einer körpereigenen Sehne rekonstruiert, in dem der Orthopäde die so genannte Gracilissehne an der Kniescheibe fixiert. Dadurch hat die Patella einen definierten Anschlag („Stopp“).

 

Trochleaplastik

Die Trochleaplastik kommt bei einer Mangelentwicklung der V-förmigen Kniescheibengleitrinne zum Einsatz. Aufgrund einer angeborenen Fehlbildung weist der Oberschenkelknochen einen „Buckel“ anstatt eines Kanals auf. Im Zuge der operativen Korrektur wird der Knorpeldeckel vom Knochen abgelöst und anschließend eine V-förmige Rinne geformt, in der die Kniescheibe schließlich stabil gleiten kann.

 

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Patellainstabilität (PDF | 2,2 MB) 

Welches Erkrankungsbild verbirgt sich hinter der „Kniescheibeninstabilität“?

Der Oberschenkelknochen weist am Ende eine V-förmige Rinne auf, in der die Kniescheibe (Patella) während eines Bewegungsablaufes gleitet. Im Zuge einer Patellaluxation (Kniescheibenverrenkung) springt die Kniescheibe aus diesem stabilisierenden Kanal heraus in Richtung Knieaußenseite. Meist erahnen Betroffene bereits im Vorfeld, bei welchen Bewegungen die Patella luxiert – manchmal mehrmals täglich. In besonders ausgeprägten Fällen kann das Erkrankungsbild aufgrund der massiv eingeschränkten Beweglichkeit sogar zur Invalidisierung führen.

Mildere Verlaufsformen äußern sich als so genannte Subluxation, einem „Beinahe-Herausspringen“ der Patella, verbunden mit Schmerzen an der Vorderseite des Knies. Dadurch kommt es zur Bewegungsunsicherheit und Schonhaltungen.

Das Erkrankungsbild der Kniegelenksinstabilität hat auch eine psychologische Komponente. Betroffene leben permanent in Angst vor einer möglichen Luxation, die alltägliche Bewegungsabläufe wie eine Straße queren, Stiegen Steigen oder Spazierengehen zu einer großen Hürde werden lassen.

Welche Ursachen hat die Kniescheibeninstabilität?

Erkrankungen des patellofemoralen Gelenks haben verschiedene Ursachen. Sie reichen von einer hochstehenden Kniescheibe über Drehfehler des Oberschenkels bis hin zu X-Beinen. Den häufigsten Grund stellt jedoch eine Mangelentwicklung der V-förmigen Kniescheibengleitrinne, die so genannte Trochleadysplasie, dar. 96 % aller Patienten mit einer Trochleadysplasie entwickeln eine Kniescheibenluxation. Bei ihnen ist der V-förmige Gleitkanal entweder nicht angelegt oder entsprechend fehlgebildet, sodass die Kniescheibe seitlich keinen Halt findet und bei Bewegungen plötzlich herausspringt.

Welche Folgen können auftreten, wenn die Erkrankung zu lange unbehandelt bleibt?

Der untere Teil des Oberschenkelknochens bildet gemeinsam mit der Rückseite der Kniescheibe das so genannte Patellofemoralgelenk. Sowohl der Knochen als auch die Kniescheibe sind an den aufeinander treffenden Flächen mit Knorpelsubstanz bedeckt. Anatomisch inkorrekte Bewegungsabläufe – beispielsweise aufgrund einer instabilen Kniescheibe – fördern die frühzeitige Entstehung einer Gelenksabnützung (Arthrose). Daher sollte jede Form der Patellainstabilität orthopädisch begutachtet werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Mildere Verlaufsformen können abhängig von der Risikofaktorenanalyse zuerst konservativ behandelt werden, allerdings ist in den meisten Fällen nur eine Operation wirklich zielführend.

Das chirurgische Spektrum bei Kniegelenksinstabilitäten ist vielfältig und technisch sehr anspruchsvoll. Welche Methode angewendet wird (MPFL-Rekonstruktion, Trochleaplastik, Achsenkorrekturen, Derotationsosteotomie, …), hängt vom ursächlichen Grund für die Instabilität ab. Dr. Dirisamer und Dr. Patsch haben österreichweit die meisten Kniescheibenstabilisierungsoperationen durchgeführt und bieten das gesamte Spektrum der notwendigen OP-Techniken an.

Was ist nach der Operation zu beachten und wann sind Alltagsaktivitäten wieder möglich?

Das Nachbetreuungskonzept wird für jeden Patienten individuell erarbeitet und hängt in erster Linie von der gewählten Operationsmethode ab. Ob die Physiotherapie ambulant oder stationär durchgeführt wird, ist ebenfalls von der Art des chirurgischen Eingriffs abhängig.

In einigen Fällen ist auch eine psychologische Nachbetreuung notwendig, da – insbesondere voroperierte Patienten mit schlechten Erfahrungen – erst wieder lernen müssen, Vertrauen in die Funktionalität ihres Knies aufzubauen.

Wie viele Menschen sind von der Kniegelenksstabilität betroffen?

Das Erkrankungsbild betrifft vor allem junge Menschen, wobei Frauen deutlich häufiger davon betroffen sind als Männer. Sie haben ein weicheres Bindegewebe als Männer und sind dadurch in den Gelenken beweglicher. Manche Faktoren, die zu Risikofaktoren der Patellainstabilität zählen (z.B. X-Bein, Trochleadysplasie, ...) werden zudem über das X-Chromosom vererbt, was das gehäufte Auftreten bei weiblichen Patienten auch genetisch erklärt.

Die ersten Patellaluxationen treten meist schon im Kindes- und Jugendalter auf.